Fantasy Wandbild „Guardian of Love“: Die 30-jährige Reise eines Drachen-Artworks
Der Kunde, der mich davon abhielt, dieses Bild zu verändern:
Eigentlich wollte ich dieses Artwork nochmal von der Wand nehmen und überarbeiten.
Nicht komplett.
Aber zumindest die Stellen, die mich schon seit Jahren stören.
Der Drache könnte besser sein.
Das Schwert würde ich heute anders zeichnen.
Einige Details würde ich komplett neu aufbauen
und manche Übergänge wirken aus heutiger Sicht längst nicht mehr so sauber,
wie ich sie damals fand.
Kurz gesagt:
Ich sehe die Fehler.
Damals bestand mein Alltag noch hauptsächlich aus Reparaturlackierungen.
Einer meiner Stammkunden sagte in dieser Zeit etwas,
das mich bis heute nicht ganz losgelassen hat.
Er stand wieder einmal vor dem Bild, das seit Jahren in meinem Eingangsbereich hängt, und schaute es sich an.
Als ich beiläufig erwähnte, dass ich das Fantasy Wandbild irgendwann noch einmal überarbeiten müsste,
schüttelte er den Kopf.
„Genau das würde ich nicht tun.“
Für ihn war das Bild bereits ein Kunstwerk, ein Zeitzeuge.
“Lass es wie es ist, und mach doch eine neue Version davon,
so kannst du deine Entwicklung dokumentieren.”
Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass er recht hat.
Denn dieses Motiv begleitet mich inzwischen länger als manche Freundschaften.
Zwei Arbeiten aus meinem Eingangsbereich.
Vor genau diesem Bild entstand das Gespräch, das letztlich zu diesem Beitrag führte.
Die erste Version: Wie ein Drachen-Design mit der Computer-Maus begann
Wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich nicht einmal mehr genau, wo die erste Zeichnung heute liegt.
Vielleicht vergraben in einer Kiste die noch im Keller steht. Gebrannt auf einer alten CD-Rom die ich vielleicht mal suchen sollte.
Aber eventuell existiert sie längst nicht mehr.
Entstanden ist die Zeichnung, als ich ungefähr fünfzehn war.
Damals saßen wir an einem ganz normalen Nachmittag zusammen. Eine Schulfreundin war zu Besuch. Wie so oft in diesem Alter drehten sich die Gespräche um Freundschaften, Beziehungen und all die Dinge, die plötzlich wichtig werden.
Man ist kein Kind mehr. Aber auch noch nicht wirklich erwachsen.
Irgendwann entstand aus dem Gespräch eine Idee.
Ein Herz.
Ein Drache.
Ein Schwert.
Nicht besonders kompliziert oder tiefgründig.
Zumindest dachte ich das damals.
Ich zeichnete das Motiv mit der Maus am Computer. Heute klingt das fast absurd. Damals war das einfach die Möglichkeit, die ich hatte.
Ich probierte damals schion verschiedene Werkzeuge aus, heute bin ich Froh, direkt auf dem Bildschirm zeichnen zu können.
Der Schriftzug „Guardian of Love“ existierte noch gar nicht.
Es gab nur die Grundidee.
Und trotzdem blieb sie.
Warum manche Motive zurückkommen: Der Sprung zum Zeichentablett
Die meisten Zeichnungen aus dieser Zeit habe ich längst vergessen.
Dieses Motiv nicht.
Jahre später griff ich die Idee wieder auf.
Diesmal als digitale Zeichnung.
Zu dieser Zeit hatte ich mir eines der ersten Wacom-Zeichentablets gekauft, die man per USB an den Computer anschließen konnte. Anfangs fühlte sich das Zeichnen darauf noch etwas ungewohnt an.
Nach kurzer Zeit war ich jedoch begeistert von den Möglichkeiten, die sich plötzlich eröffneten.
Zum ersten Mal konnte ich Ideen verändern, verschieben und ausprobieren,
ohne gleich ein neues Blatt Papier beginnen zu müssen.
Also zeichnete ich das Motiv noch einmal.
Diesmal mit deutlich mehr Erfahrung als damals.
Und schon zu dieser Zeit entstand der Gedanke, daraus irgendwann ein Airbrush-Projekt zu machen.
Ich wollte das Motiv besser umsetzen.
Detaillierter.
Ausgereifter.
So, wie ich es inzwischen konnte.
Und genau das passierte später auch.
Aus einer Idee wurde eine große Airbrush-Arbeit auf einer Alu-Dibond Platte.
Der Drache bekam mehr Ausdruck.
Das Herz mehr Tiefe.
Die gesamte Komposition wurde komplexer.
Und trotzdem erkenne ich heute noch den Fünfzehnjährigen darin.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese Idee bis heute beschäftigt.
Es zeigt nicht nur ein Motiv.
Es zeigt Entwicklung.
Zeichnung aus dem Jahr 2009
Die Kunstschule, die Autolackierer-Werkstatt und das Leben dazwischen
Während ich darüber nachdenke, fällt mir etwas auf.
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, meine künstlerische Entwicklung sei ständig unterbrochen worden.
Erst kam die Ausbildung.
Dann die Arbeitswelt.
Danach die Meisterschule.
Und schließlich die Frage, wie es beruflich weitergehen sollte.
Irgendwann meldete ich mich sogar an einer Kunstschule an.
Einmal im Monat Unterricht. Zwei intensive Tage. Genau das, was ich damals suchte.
Kurz darauf machte ich mich selbstständig.
Und plötzlich war alles anders.
Die Firma durfte aufgebaut werden.
Kunden mussten gefunden werden.
Rechnungen wollten bezahlt werden.
Die Kunstschule verschwand wieder aus meinem Leben, noch bevor sie richtig begonnen hatte.
Damals fühlte sich das wie ein Abbruch an.
Heute bin ich mir nicht mehr sicher.
Denn obwohl ich vieles nicht gemacht habe, habe ich das Kreative nie ganz losgelassen.
Stattdessen besorgte ich mir Bücher.
Besuchte Workshops.
Verbrachte Abende im Betrieb, um zu üben.
Entdeckte das Airbrush-Forum im Internet.
Und Jahre später entstanden daraus sogar die Custom Treffen.
Immer wieder tauchten Menschen auf, die ihre Spuren hinterließen.
Ständig gab es etwas Neues zu lernen.
Sicher ist, meine Entwicklung verlief einfach anders, als ich sie vor der Betriebsgründung geplant hatte.
Das Artwork Remaster: Warum ich den Drachen heute mit Procreate neu erschaffen möchte
Heute bin ich 47.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich das Gefühl, dieser Seite meines Lebens wieder mehr Raum geben zu wollen.
Vielleicht denke ich deshalb über ein Remaster nach.
Nicht, weil das alte Artwork schlecht wäre.
Wobei mein innerer Kritiker gerade laut lacht und etwas völlig anderes behauptet.
Sagen wir es so:
Das Bild erfüllt heute eine Aufgabe, die ich damals noch gar nicht erkennen konnte.
Es dokumentiert einen Weg.
Trotzdem reizt mich der Gedanke, das Motiv noch einmal neu zu erschaffen.
Mit den Fähigkeiten, Erfahrungen und Gedanken von heute.
Nicht als Ersatz.
Sondern als Ergänzung.
Der Fünfzehnjährige bleibt bestehen.
Der junge Airbrush-Künstler ebenfalls.
Und daneben entsteht vielleicht eine neue Version.
Nicht um zu beweisen, dass ich heute besser bin.
Sondern um sichtbar zu machen, was in all den Jahren dazwischen passiert ist.
Vielleicht hängen beide Versionen rgendwann nebeneinander an der Wand
„Guardian of Love“ – Airbrush-Arbeit aus dem Jahr 2010/11,
dargestellt in einer beispielhaften Wohnumgebung.
